Sankt Jakobus Kirche
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Sankt Jakobus Kirche

Die Kirche war Teil einer Burganlage, die die damals den Chiemgau beherrschenden Grafen von Falkenstein zwischen 1158 und 1200 anlegten. 1158 hatten die Falkensteiner die  Vogtei über das Kloster Herrenchiemsee und dessen Besitzungen im westlichen Chiemgau erhalten. Von dieser Burg ist heute oberirdisch nichts mehr erhalten außer einem  Wehrturm der Umfassungsmauer, der später durch einen Mauerdurchbruch in das Kirchengebäude integriert wurde. Den Falkensteinern verdankt die Kirche auch ihr Partozinium: Der Heilige Jakobus war auch Schutzheiliger der Falkensteiner.

Die Kirche hat einen zum Altar hin ansteigenden Boden mit einer eingezogenen Apsis und besitzt zwei Säulenjoche. Sie ist komplett eingewölbt, was es zu dieser Zeit noch kaum gab, und auf großen Reichtum der Falkensteins vermuten lässt. Diese starke Einwölbung war nur möglich durch einen Bau von sehr starken Außenmauern, die natürlich auch zur langen Haltbarkeit der Kirche beitragen und große Umbauten fast unmöglich machten.

Die östliche Hälfte des östlichen Jochs und die Apsis bilden zusammen den Chor der Kirche, der durch einen Lettner markant vom Kirchenschiff getrennt ist. Dies wird noch dadurch betont, dass der Chorbereich gegenüber dem Schiff um sechs Stufen höher gelegt ist. Diese Gesamtsituation ist eine Rekonstruktion aufgrund von Baubefunden, da der Boden um 1500 höher gelegt worden war und der Innenraum im Barock wesentlich umgestaltet wurde.

Die Kirche überdauerte die Jahrhunderte nahezu unverändert. Erst während des Barock wurde in das innere und äußere Erscheinungsbild massiv eingegriffen: Die Kirche erhielt 1711 einen neuen Dachstuhl. Dabei wurde über der Apsis ein kleiner Turm mit Zweibelhaube errichtet. Weiter wurde die Wände und Gewölbe nahezu füllende Bemalung im Innern übertüncht und in die Außenwände wurden größere Fenster eingebrochen. Auf den nun unsichtbaren Freskenbestand wurde dabei keine Rücksicht genommen.

Unter den zahlreichen Putz- und Farbschichten, mit denen die Innenwände der Kirche vom 17. bis 19. Jahrhundert bedeckt wurden (nachgewiesene Übertünchungen: 1612, 1731, 1793/94, 1852, haben sich Ausmalungen aus zwei unterschiedlichen Epochen des Mittelalters erhalten. Von der älteren, romanischen Ausmalung wurde nur wenig freigelegt, da dazu die diese Malschicht überdeckenden gotischen Fresken zerstört werden müssten.

Romanische Fresken

Nach der Erbauung der Kirche wurde diese im 12. Jahrhundert erstmals mit Fresken ausgestattet. Es wurden nur die apsis und eine Joche ausgemalt, wo mittlerweile ein Bild von Adam und Eva nach dem Sündenfall komplett freigelegt. Weiter sind romanische Malereireste am Fuß der nördlichen Lettnerwand zu erkennen: Adam, Eva und die Schlange.
In der untersten Ebene, in der Apsis wurde ein Teil einer romanischen Malerei freigelegt, welche einen Vorhang zeigt.

Gotische Fresken

An diesem Vorhang zeigt sich besonders deutlich, dass der gotische oder die gotischen Maler um 1390 die Motive der ursprünglichen romanischen Malerei im gotischen Stil übermalt haben, ohne sie zu ändern. So fand auch die für 1390 altertümlich byzant wirkende Darstellung von Jesus Christus als Pantokrator in einer Mandorla in der Apsis Aufnahme in den Bilderzyklus. Umgeben ist er von den Symbolen der vier Evangelisten. Darunter sind die 12 Apostel dargestellt, im Jochbogen zur Apsis die fünf klugen und fünf törichten Jungfrauen.

Durch eine Vergrößerung eines Fensters um 1500, wurde die Hälfte einer Verkündigungsszene an der Südwand zerstört.
Auf der Gegenüberliegenden Seite auf der Nordwand ist die Huldigung der heiligen drei Könige dargestellt. Vermutlich handelte es sich bei der benachbart dargestellten Szene um die Geburt Jesu Christi, leider wurde auch dieses durch einen Fensterdurchbruch zerstört.

An der Südwand im zweiten Joch ist vom Einzug Jesu in Jerusalem bis zur Grablegung die Leidensgeschichte in zehn Bildern gezeigt. Die Gegenüberliegende Seite ist überwiegend mit Bildern von heiligen bedeckt, das Highlight ist sicher ein Gemälde von Auferstehungsszenen und Maria Himmelfahrt.

Besonders durch das ungewöhnliche Dreifaltigkeitsfresko (der heilige Geist wird als Frau dargestellt) hat die Kirche einen hohen Bekanntheitsgrad.
Ebenso ungewöhnlich ist auch die Darstellung einen lebendig Gehenkten, mit der auf ein bewirktes Wunder des Heiligen Jakobus hingewiesen wird.

Barocke Ausstattung

Durch die Freilegung der Fresken wurde die brocke Ausstattung der Kirche nahezu komplett beseitigt. Einzig eine geschnitzte Figur im Barock Stiel des Heiligen Jakobus deutet noch an diese Ausstattung hin.

Wiederentdeckung und Konservierung

Erstmals 1808 wurde festgestellt, dass sich unter dem Wandputz besondere Malerei befindet. Jedoch wurde erst 1927 mit der Freilegung einzelner fresken begonnen, und das wohl nur weil an einer Stelle Putz von der Wand abgefallen war.

Anfang der 1940er Jahre wurden alle Wände von Putz und Farbschichten befreit um die Fresken frei zulegen, das hatte man dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege zu verdanken.

Von 1966 – 1968 musste die Kirche komplett saniert werden, da es an den Fresken zu Algen und Schimmelbefall gekommen war. Im Zuge der Sanierung wurde dann auch das beuzeitliche Bodenniveau im Inneren der Kirche sowie auch der romanische Lettner wieder hergestellt.

Zwischen 1980 und 1991 musste man erneut eingreifen da die Fresken erneut beschädigt wurden. Um die Feuchtigkeit konstant niedrig zu halten wurde mittlerweile eine Klimaanlage eingebaut.

Die Kirche gehört heute zur Pfarrgemeinde Prien.
In der Mitte der Kirche steht eine tischhohe runde Steinsäule mit einer überwölbenden runden Abschlussplatte, die oben sieben flache zylinderförmige Vertiefungen aufweist. Der ursprüngliche Verwendungszweck des Objekts ist ungeklärt, vermutlich handelt es sich um einen Ölleuchter.

Direkt vor der Kirche befindet sich die Mesner Stub´n mit bayrischer Wirtshausküche und einzigartigem gemütlichem Biergarten in dem man gerne auf ein Augustiner Bier einkehrt.